Also vor 1989/90, als in diesem Lande viele Dinge auch noch so funktioniert haben, wie sie funktionieren sollten.
Danach war nicht nur das Ende des kalten Krieges, sondern auch die enorme Zunahme der Globalisierung. Die erlaubte ständig sinkende Produktionskosten bei Industriegütern unter Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk.Letzteres wurde verstärkt durch die immer stärkere Automatisierung und schließlich Digitalisierung, welche uns aber auch zu vollkommen neuen Produkten und Dienstleistungen verhalfen.
Die Globalisierung stellte als Ersatz für Entwicklungshilfe unseren indirekten Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesellschaften in der sog. dritten Welt dar. Davon kam aber - wie bei uns, nur noch deutlicher - das meiste nicht bei der Bevölkerung an. In diesen Gesellschaften besteht nämlich keine unseren Gesellschaften vergleichbares System, wobei ich die Diskussion darüber, ob letzteres wirklich demokratisch ist, hier mal ausklammere.
Hier besteht auch schließlich der Bezug zu unserem aktuellen thread: Da wir einerseits alle gerne gut bezahlt werden wollen, aber die Auswirkungen dieser Löhne auf die unsere geliebten Produkte des Alltags vermeiden wollen, haben wir zu einem Trick gegriffen, der Auslagerung der körperlichen Arbeit der Erntehelfer in Gesellschaften, wo man sich über Löhne freut, für die hier niemand zu arbeiten bereit ist.
Dazu kommt noch eine weitere Entwicklung, nämlich die fortlaufend intensivierte medizinische Forschung mit Entwicklung immer aufwendigerer und damit auch kostenintensiverer Behandlungen. Da die oben geschilderten Prozesse in Industrie und Handel eine vorübergehend sogar aktiv so beworbene 'Geiz-ist-Geil'-Mentalität zur Folge hatten, haben natürlich alle daraus das beste aus beiden Welten herausholen wollen: Maximale Inanspruchnahme aller Leistungen bei gleichbleibenden, besser noch sinkenden Preisen. Daß dabei auf Arbeitsbelastung und faire Bezahlung der Pflegeberufe keiner achtete, verwundert auch nicht weiter. Schließlich sind ja die meisten gesund und haben deshalb mit diesen Personen so wenig Kontakt wie mit den verlängerten Werkbänken auf fernen Kontinenten. Die Profitorientierung ist wohlgemerkt nicht das Problem von einigen wenigen, z.B. Klinikkonzernen. Die stellen vielmehr auch nur das Symptom der Geiz-ist-geil-Krankheit dar, die unsere gesamte Gesellschaft befallen hat.
Und schließlich wird der gerechte Verteilung im globalen Maßstab immer wieder entgegengearbeitet, indem jedes Jahr die Bevölkerung Deutschlands neu dazukommt. Wie soll man jemanden gerecht mit Wasser versorgen, wenn er an der Ausgabestelle mit einem Eimer mit einem Loch erscheint?